36 Jahre Internationales Vorderladerschießen

auf dem Hasenbühl

Auszug aus der Festschrift "Rückblick auf 25 Jahre Internationales Vorderladerschießen in Schwäbisch Hall", von 1993.

Zusammenstellung : Hans-Joachim Engel, Horst Schankliss und Klaus Schied

Fotos : U. Gamm, R. Hollinger, H. Schankliss, E. Weller

Gesamtherstellung : Druckerei E. Schwend GmbH + Co. KG, Schwäbisch Hall

Die Herstellung der Festschrift erfolgte mit Unterstützung des Journal-Verlag Schwend GmbH, Schwäbisch Hall

 

Vorderladertreffen, das waren bunte Bilder nicht nur auf dem Stand,

auch die Stadt Schwäbisch Hall konnte historische Uniformen, Westleute und Indianer bewundern.

 

36 Jahre – die Zeit verging wie im Flug. Das Schießen  mit Vorderladern ist ein fester Bestandteil der Sportordnung des Deutschen Schützenbundes geworden. Das war nicht immer so.

Wir können heute stolz darauf sein, daß der Grundstein für diese Entwicklung in Schwäbisch Hall gelegt wurde. Zum ersten Mal in Deutschland kamen hier vor 36 Jahren auf Initiative des DWJ Frauen und Männer überregional zusammen, um die Kunst des Schießens mit Schwarzpulver und Blei nach Art der Altvorderen zu erproben. 

 

Aller Anfang war schwer, die ersten Schießversuche wurden "angestrichen" unternommen, 

und auch das Laden eines Revolvers mußte erst einmal vorgeführt werden....

 

Geschossen wurde um Ehrennadeln und Preise, aber genauso  wichtig, wenn nicht gar wichtiger, war das gegenseitige Kennenlernen. Hier waren Leute mit den gleichen Interessen zusammengekommen; Leute, die einer Freizeitbeschäftigung  besonderer Art nachgingen. Mehr als die erzielten Ringzahlen, spielte das Gespräch eine Rolle. Auf dem Hasenbühl wurden Freundschaften auf Dauer geschlossen.

Schon das zweite Vorderladertreffen im Jahr 1970 wurde zur internationalen Veranstaltung, aus Frankreich kamen die ”Arquebusiers de France”, auch die Niederlande und die USA waren vertreten. Dann kamen die Schweizer hinzu, der Hasenbühl wurde zum internationalen Treffpunkt.

Der Flair des Hasenbühls lag darin, daß jeder Individualist war und auch bleiben durfte. Egal, ob Westernman, Trapper, Voyageur, Südstaatler oder Bürgermiliz, man paßte sich der Zeit seiner Waffe an

Im Verlauf der Zeit kamen auch noch Indianer hinzu. Keine nachgemachten, sondern Leute, die während der Schwarzpulvertage auf dem Hasenbühl  vollkommen in ihrer Rolle aufgingen.

Da waren Leute die ihren Colt wie in "High Noon" blitzschnell aus dem Holster brachten und auf Luftballons schossen. ”Trapperläufe” wurden organisiert und Hillbillymusik gespielt.

Das Ganze wurde zu einer Westernshow. Auch der Rahmen entsprach dem Trade-Post. Zu Anfang waren es nur wenige, die auf Vorderladerartikel spezialisiert waren. Dann aber wurden es mehr, und heute kann man auf dem Hasenbühl alles kaufen, was zum Vorderladerschießen  dazugehört.

Das Vorderladerschießen  ist, wie eingangs gesagt, ein fester Bestandteil es Schießprogramms des Deutschen Schützenbundes geworden. Der Hasenbühl hatte einen Anteil daran.

 

 

Wie das Vorderladerschießen  auf den Hasenbühl kam

Erinnerungen:

Rückblende ins Jahr 1965. Das Deutsche Waffen-Journal war kaum drei Monate alt, als dem damals noch einzigen Redakteur ein Brief auf den ohnehin schon überladenen Schreibtisch flatterte, der es wert schien, als ”Information” veröffentlicht zu werden:

 

In Düren gibt es einen ”Rough Rangers Club”. Er hat 15 Mitglieder und hält seine Club-Abende jeden ersten und vierten Dienstag des Monats in eigenen Club-Räumen am Kaiserplatz 9 (Friseursalon Schmitt) ab.

Auf diesen Club-Abenden wird über alles gesprochen, was mit Waffen zusammenhängt: Munition, Tausch, Geschichtliches und dergleichen. Jedes Clubmitglied ist Waffensammler, und einige haben auch eine Spezialsammlung, z.B. Le - faucheux - Revolver oder Perkussionswaffen.

Damit die ganze Sache aber nicht nur graue Theorie bleibt, trifft man sich von Zeit zu Zeit auf dem DJV-Schießstand  in Düren-Gürzenich. Hier wird dann mit alten Vorderladern geschossen – und auch getroffen!

Wer von unseren Lesern Verbindung mit diesem Club aufnehmen will, wende sich bitte an Hans Schwind, 516 Düren, Josefstraße 72.

Durchreisende Gäste sind jederzeit gern gesehen.                                                                               (Das stand in DWJ Nr. 4, August 1965, Seite 22.)

Wenn wir heute das 36.Vorderladerschießen  in Schwäbisch Hall veranstalten können, dann sollten wir uns an die wackeren Rough Rangers erinnern und ihnen einen Schluck widmen, sie waren der Ausgangspunkt für das Schießen auf dem Hasenbühl.
Der DWJ-Redakteur nämlich, der in den damaligen Tagen durchaus mit Verhandlungen und Gesprächen mit Industrie, Büchsenmachern, Fachmitarbeitern, Jagdverbänden, Sportschützen und Waffensammlern ausgelastet war, von der monatlichen Heftgestaltung ganz zu schweigen, beschloß sich diese sonderbaren Vögel in Düren einmal anzuschauen. Irgendwie lag die Sache auch in der Nähe, in Troisdorf und Köln waren Gespräche zu führen.
Es mußten schon sonderbare Vögel sein, die sich in einer Zeit des High-Tech mit Bleibatzen und Schwarzpulver herumschlugen, während andere mit immer kleiner werdenden Kalibern, raffinierter Waffentechnik und ausgefeilter Nitropulver-Zusammenstellung das Non-Plus-Ultra eines Trefferbildes zu erreichen versuchten.
Über diesen Besuch wurde noch im gleichen Jahr in DWJ 8/65 berichtet. Auf die Information vom August hatten sich immerhin mehr als 170 Interessenten gemeldet die Sache konnte Zukunft haben.
Vorderladerschützen sind Individualisten

Schon von den ersten Schießen an konnte man "typische" Bekleidungen sehen, bei denen Wert auf historische Echtheit gelegt wurde.

Die Leute in Düren waren stinknormal. Berufe quer durch das Branchenverzeichnis. Bankangestellter, Bauarbeiter, Beamter, Dekorateur, Feinmechaniker, Journalist, Kaufmann, Schriftsetzer und dergleichen fünfzehn Leute, die irgendwie Spaß an der Sache hatten. Spinner und Rabauken hatten keine Chance.
In Düren beschäftigte man sich hauptsächlich mit dem Brauchtum der amerikanischen Pionierzeit, trug die entsprechende Kostümierung, Waffen, Pulver und Blei waren in alten Leder-Reisetaschen untergebracht, Requisiten, die heute Seltenheitswert haben.
Einer sprach als ”Reverent” ernsthafte Worte zur allgemeinen Verkommenheit und Verwahrlosung. Wer dagegen lästerte, wurde schnell zur Raison gebracht die Bibel war so ausgeschnitten, daß in ihr ein geladener Derringer Platz hatte...
Die Dürener verstanden das Schießen  mit Vorderladern in erster Linie als Spaß. Sie ließen das Leben im Wilden Westen wieder aufleben und zwar so, wie sie es aus den Filmen kannten. Und von dieser Einstellung hat sich ja auch einiges in das Vorderladerschießen  von 2004 hinübergerettet.
Es gab noch eine andere Gruppe von Vorderladerschützen, aber davon erfuhren wir erst später.
Das waren verwegene Motorradfahrer, die im Februar 1968 mit Oldtimern zu einer Rallye nach Hammelbach im Odenwald aufbrachen (Bericht DWJ 3/68, S. 170). Während der Sternfahrt mußten  Kontrollorte angefahren werden, deren Anfangsbuchstaben das Wort PULVER ergaben. Am Zielort bekam jeder eine Vorderladerwaffe in die Hand gedrückt, mit der er auf die Scheibe zu schießen hatte.
Wer Initiator dieser ”Schwarzpulver-Rallye” war, ist nicht mehr klar auszumachen. Wesentlichen Anteil an dieser Veranstaltung hatte jedoch Ernst Leverkus, ein Motorradspezialist, der als Journalist vielen Leuten als ”Klacks” bekannt war und damals im Mainhardter Wald wohnte.
Düren und Schwarzpulver-Rallye das waren noch Eintagsfliegen, ein kleiner Kreis von Individualisten.
Irgendwie kam Interesse für Vorderladerwaffen auf. Allerdings im Oktober 1965 findet sich im DWJ eine Leseranfrage, worin an Repliken von Perkussionsrevolvern Interesse bekundet wurde.
Die Redaktion konnte ihm acht Revolver nennen, die als Repliken auf dem Markt waren.
Diese wurden in Italien gefertigt und in erster Linie als Deko-Waffen angesehen. Wer mit ihnen schießen wollte, mußte sie von Hand überarbeiten.
Erst Mitte 1966 wurde die Qualität besser, und sie wurden auch im Anzeigenteil des DWJ angeboten.
In erster Linie handelte es sich um Revolver, die zu Zeiten des amerikanischen Bürgerkriegs zur Truppenausrüstung gehörten oder eine Rolle im ”Wilden Westen” spielten: The Reb Army Pistol, The New Model Belt Revolver, Colt Paterson, Walker Revolver, Sheriffs Model und New Model Army Revolver (zu Preisen von DM 245.– bis 398.– DM).
Auch eine Seeräuber-Pistole im Kaliber 12 mm wurde angeboten: ”Eine sehr dekorative Perkussionspistole. Die Waffe ist staatlich beschossen und man kann damit scharf schießen. Preis DM 78.–.

Der Hasenbühl war nicht nur Schießstand; schon bald wurde auf dem "Trade Center" alles angeboten, was irgendwie dazugehörte:

Ausrüstungsgegenstände, Feuersteine, Schmuck, historische Bekleidung, Messer und Mokassins.

Scharf schießen, aber womit? Der Phantasie und dem Erfindungsreichtum der frühen Vorderladerfans waren kaum Grenzen gesetzt. Da gab es Wühlmauspatronen, Ladungen zum Sprengen von Baumstammen oder schlicht und einfach das, was man im Chemie-Unterricht gelernt hatte...
Der Markt wuchs, es kamen mehr Langwaffen hinzu, aber von Wettkämpfen und sportlichem Schießen konnte noch keine Rede sein. Die Schwarzpulverleute waren Individualisten und blieben unter sich.
Und da gab es noch eine Gruppe, die man  im Zusammenhang mit der Entwicklung des Vorderladerschießens in Deutschland nicht vergessen sollte: Die Kanoniere. 
In der Mitte der 50er Jahre fuhr Dr. Monauni, Geschäftsführer einer Firma in Tuttlingen, nach Italien. Dort sah er eine Miniaturkanone, die ihm arg gefiel. Solch eine wollte er auch haben, aber es gab keine zu kaufen. Wieder in der Heimat, wurden die Lehrlinge der Firma für Mini-Kanonen interessiert und sie machten begeistert mit. Sie bauten präzise Repliken, mit denen  bis  zu 60 Metern Entfernung genau geschossen werden konnte. Über dieses Schießen , die Kanoniere in Chapeau-Claque und schwarzem Anzug , berichtete das DWJ im Oktober 1966.
Auf diesen Bericht hin meldete sich Leser J. K. aus Oerlenbach und wies darauf hin, daß er derartige Modelle schon seit drei Jahren baue. Und in einer Anzeige gleich gegenüber bot eine Maschinenfabrik in der Nähe Bambergs eine Salut- und Dekorationskanone in antiker Ausführung für DM 286.- an.
Ansonsten tat sich nicht viel. Aber einiges vielleicht doch denn das Waffen- Journal sah sich verpflichtet, im November 1967 einen Drei-Seiten-Artikel von W. Weigner zu veröffentlichen mit dem Titel ”Der Widerspenstigen Zähmung”.

Ganz am Rande stand die Frage, an die Initiatore zunächst gar nicht gedacht hatten: die Unterbringung der vielen auswärtigen Teilnehmer. Es gelang jedes Jahr, ausreichend Campingplätze, gemietete Anhänger und Tipi - Stangen zur Verfügung zu stellen. Besonders urwüchsige Naturen richteten sich auch im Bunker der Trap - Anlage gemütlich ein.

Wilfried setzte sich mit dem Problem  der Komponenten und Ladeverfahren für Perkussionsrevolver  auseinander. Ein sehr amüsant geschriebener Artikel, der H.J. Stammel auf den Plan rief. Er teilte seine Erfahrungen in DWJ l/68 mit. Der Schluß seiner Zusammenfassung wird hier aus rein schwarzpulvergeschichtlichen Erinnerungen wiederholt: ”...braucht man einen ”Sprengstoffschein”. Und wer den haben möchte, der muß beweisen können, daß er fachgerecht Berge, Schornsteine und ähnliches in die Luft sprengen kann. Jeder Bürger kann aber unbeschränkt sogenannte Wühlmauspatronen in jedem Waffengeschäft kaufen. Sie enthalten Schwarzpulver!”
Immerhin eine Stammel-Serie über Repliken historischer amerikanischer Feuerwaffen lief bis November, und außerdem berichtete Berthold Dunker über seine Erfahrungen beim Umgang mit Vorderladern. 

Im Mai 1969 war zu erfahren, daß zwischen Mannschaften aus Frankreich und England regelmäßige Länderkämpfe ausgetragen wurden. Während einer ”normalen” Europameisterschaft für Junioren und Damen im Wurftaubenschießen die vom 15. bis 22, Juni 1969 in Versailles durchgeführt wurden, wurde über die Redaktion der französischen Fachzeitschrift ”Arquebusiers” Kontakt zu G. Cunnington, Mitglied der französischen Mannschaft, hergestellt.

Trotz seines englischen Namens sprach Cunnington leider kein Wort Englisch und deutsch natürlich auch nicht. Ungeachtet der Sprachschwierigkeiten kam man gut miteinander aus. Zu erfahren war, daß nur mit Originalwaffen geschossen wurde, für uns, die wir ja bisher nur mit Repliken zu tun hatten, ein echter Knackpunkt.

Aber die sonstigen Regeln waren akzeptabel, die konnte man übernehmen oder auf deutsche Verhältnisse, z.B. Scheiben einstimmen.
Die Arquebusiers dürften in Europa die älteste geschlossene Gruppe sein die nach festen Regeln mit Vorderladern schoß.

Auch das gehörte dazu: Böllernde Kanonen, Revolverduelle auf Luftballons und Demonstration des Umgangs mit mittelalterlichen Hakenbüchsen.

Das, was jetzt bekannt war, reichte aus, einen ”europaweiten” Versuch in Schwäbisch Hall zu starten.
Die Redaktion war inzwischen auf vier Personen angewachsen, und auf dem Schießstand Hasenbühl der SG Schwäbisch Hall stand alles zur Verfügung was man braucht, vor allem erfahrenes Hilfspersonal  für Standaufsichten, Auswertung, Organisation und ”Lademannschaften”.
Die waren wichtig, weil ja auch Leute mitschießen sollten, die vorher noch nie etwas mit Vorderladern zu tun hatten. Ihnen mußte die fix und fertig geladene Replika in die Hand gegeben werden, sie mußten nur noch zielen und abdrücken........
Bevor das erste Schießen durchgeführt werden konnte, waren noch einige Hindernisse zu nehmen. Schließlich sollte die Sache ja Hand und Fuß und damit Bestand haben. Das Reglement war Sache der Schützen, aber wegen anderer Fragen , z,B, Pulver, Pulvererwerb und Sicherheit auf dem Stand, waren auch die Behörden zuständig. Hierzu muß gesagt werden, daß die Behörden den Anliegen der Schwarzpulverfans größte Hilfsbereitschaft entgegenbrachten. ”Schnell und unbürokratisch wurden anstehende Fragen behandelt, dabei dürfte es auch eine Rolle gespielt haben, daß den Behörden auch daran lag, das Schießen mit Vorderladern in akzeptable Regelungen zu bringen, aufzuhalten war die Entwicklung nicht mehr!
Die Frage des Pulvers wurde durch die Dynamit Nobel AG gelöst. Aus den gebräuchlichsten handelsüblichen Schwarzpulversorten – Sprengpulver, Musketenpulver, Böllerpulver, Feuerwerkspulver, Zündschnurpulver, Jagdschwarzpulver, wurde das ”Jagdschwarzpulver Nr. 1” für die Vorderladerschützen entwickelt. Maßgeblichen Anteil daran hatte Dr. Woldemar Hintze, damals Leiter der DN-Fertigungsstätte Adolzfurt.
Eine der Kernfragen war die Erwerbsmöglichkeit von Schwarzpulver. Sprengmittel und darum handelte es sich ja, kann man nicht jedermann/frau in die Hand geben, also mußten Bestimmungen her, die a) spezielle Regelungen für die Interessierten ohne große Erschwernisse und b) die notwendige Sicherheit für Staat und Allgemeinheit sicherstellten.
Andrang bei der Startkartenausgabe und im Stand - so sahen es die Initiatoren gern !
So wurden Richtlinien für den Erwerb von Schwarzpulver erarbeitet und die Sachkunde nach Absolvierung eines DWJ-Lehrganges von etwa vier Stunden Dauer nachgewiesen. Zuständig war Oberregierungsgewerberat Dipl.-lng. G. Korger, er und Dr. Hintze waren die ersten Referenten für diese Lehrgänge.
Zu damaligen Zeiten, 1969, waren derartige Dinge noch in der Kompetenz der Länder zu regeln. Das, was mit Dipl.-lng. Korger erarbeitet wurde, wurde später von den anderen Bundesländern bzw. von den Bundesbehörden übernommen.
Die Möglichkeit des Erwerbs eines ”Sprengstoff-Erlaubnisscheins A” wurde im DWJ bekannt gegeben, und schon nach kurzer Zeit hatten mehr als 150 Absolventen ihren Schein in der Tasche.
Die Prüfungen waren kein Hexenwerk, nahezu alle bestanden. Es mußte nachgewiesen werden, daß man über hinreichende Kenntnisse der einschlägigen Bestimmungen der Sprengstoff-Gesetzgebung verfügt und man die theoretischen und praktischen Kenntnisse hat, die zum Schießen mit Vorderladerwaffen erforderlich sind.
In Vereinbarung mit dem Innen- und dem Arbeitsministerium Baden-Württembergs durften Inhaber des Sprengstofferlaubnisscheins A im Jahr bis zu 10 kg Schwarzpulver, Jedoch nicht mehr als 1 kg zur gleichen Zeit, kaufen und damit schießen. Und zwar nur auf einem zugelassenen Stand; Böllern und Sylvesterschießen war nicht gestattet.
”Baden-Württemberg” sieht diese Lösung als Modell an; es wird nicht  zuletzt  von den Vorderladerschützen abhängen, ob man bei diesen Kurzlehrgängen bleibt."
Die Voraussetzungen waren geschaffen, es konnte losgehen:
Im August 1969 erschien im DWJ die Ankündigung ”Am 4. und 5, Oktober 1969 veranstaltet das DWJ auf der Schließanlage Hasenbühl der Schützengilde  Schwäbisch Hall ein Vorderladerschießen  um die Ehrennadel  des Deutschen Waffen-Journals. Für die besten Schützen  winken außerdem  wertvolle Sachpreise. Geschossen wird jeweils von morgens  9 Uhr durchgehend bis zum Einbruch der Dämmerung. Zugelassen sind alle gebrauchsfähigen und staatlich beschossenen Vorderladerpistolen und -revolver (Steinschloß und Perkussion). Waffen stehen am Stand zur Verfügung. Werden eigene Waffen verwendet, so muß der Schütze die Geschosse dazu mitbringen. Das Schwarzpulver wird vom DWJ zur Verfügung gestellt, Von verschiedenen Firmen werden neben Originalwaffen auch die heute erhältlichen Repliken gezeigt,” 
Die Ankündigung wurde im September wiederholt. Ergänzend wurde  mitgeteilt daß Geschosse in den Kalibern .31, .36 und .44 am Stand erhältlich sind, Inhaber des Sprengstofferlaubnisscheines A dürfen ihre Waffen selbst laden andere Teilnehmer erhalten die Waffe von einem   ”Ladeteam”. Geschossen wird auf die Pistolenringscheibe, Distanz 25 Meter, um die Ehrennadel des DWJ in Bronze, Silber und Gold. Die Startgebühr beträgt pro Serie DM 3.-, Nachkauf ist möglich.” 
Gewehrstand Pistolenstand
Das erste Vorderladerschießen  auf dem Hasenbühl übertraf  alle  Erwartungen. Die Teilnehmerinnen, es waren an die 40 Damen dabei , und Teilnehmer schossen an den beiden Tagen 611 Durchgänge; 87 Gold-, 111 Silber- und 114 Bronzenadeln wurden ausgehändigt. Vier Schützen schossen 47 von 50 möglichen Ringen, ein damals nicht erwartetes Ergebnis. 
Die zur Verfügung stehenden Preise hatten einen Wert von etwa DM 1000,–. Erster Preis war der Nachbau einer Kentucky-Rifle, und für den, der die meisten  ”Siebener” geschossen hatte, gab es die Replika eines Berdan-Gewehres. Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen aus allen Himmelsrichtungen, im Westernlook oder in historischen Uniformen. Das hat sich bis  heute so gehalten. Genau so wie eine andere Sache: Auch beim ersten Schießen waren schon Firmen dabei, die ihr Angebot speziell auf den Vorderladerbedarf ausgerichtet hatten.
Siegerehrung

Die zehn Besten traten jeweils zum Schießen um den

Ehrenpreis an.

Nur eines war beim ersten Schießen noch  nicht dabei: die Gewehrschützen, Das lag daran, daß der Gewehrstand noch nicht fertig war. Gewehrschießen gibt es erst seit 1970.   

Ende der sechziger Jahre begannen die Ausbauarbeiten auf dem Hasenbühl, 

1971 konnte der Stand eingeweiht werden.

Das Luftbild zeigt ganz rechts außen die Wurftaubenanlage, dann die Stände 100m, 50m, den Pistolenstand 25m, Jagdstand laufende Scheibe und Kipphase, dann links der Straße die Bogenwiese, die beim Vorderladerschießen als Campingplatz genutzt wurde.

 

Was sich sonst noch tat und tut Erinnerungssplitter :

36 Jahre, eine lange Zeit. Erinnerungen? Na klar... Aber hängengeblieben ist nur einiges es gibt große Lücken. Vielleicht deshalb, weil im Laufe der Zeit vieles zur Selbstverständlichkeit geworden Ist. So zum Beispiel die beiden Damen, an denen niemand vorbeikam, der mitmachen wollte: Paula Engel und Christel Streich. Sie nahmen seit den ersten Tagen die Anmeldungen entgegen.

Überhaupt, für viele Ehefrauen und andere Angehörige der Mitglieder der Schützengilde. Gehört es zum guten Ton, beim Vorderladerschießen  dabei zu sein. Das ist Ehrensache, und Beschäftigungsmöglichkeiten sind in Hülle und Fülle zu vergeben!

Die ”Fachkräfte” sind ohnehin ausgebucht. So zum Beispiel Hans Meinl, vielleicht besser bekannt als ”The Klondike Man” (er sucht übrigens immer noch nach Gold). Er kam aus der Lademannschaft, und was dort geleistet wurde, kann man zu Fug und Recht als Schwerstarbeit bezeichnen: pro Tag 150 Schützen mit eintausend Durchgängen, diese eintausend Ladevorgänge wurden maximal mit fünf Leuten in acht Stunden durchgestanden. Die Ladearbeit war notwendig weil seinerzeit viele Schwarzpulver-Enthusiasten noch nicht im Besitz einer Erlaubnis zum Pulvererwerb waren.

Und da waren auch die Gebrüder Geipel, die unermüdlich im Pistolen- und Revolverstand tätig waren. Achtzig Schützen mit 400 Ladevorgänge wurden täglich betreut. Ihr Arbeitstag ging bis weit in die Nacht hinein. Sie nahmen die Waffen mit nach Hause, reinigten sie und erledigten auch erforderliche Reparaturen, damit am nächsten Tag das Schießen wieder reibungslos über die Stände gehen konnte.

Und auch die Auswertung: 3000 Scheiben mit je fünf Schuß in drei Tagen, Zu werten war nicht der angekratzte Ring, sondern der, in dem mehr als die Hälfte des Treffers lag. Nur mit wenigen Unterbrechungen lag diese Aufgabe in den Händen, besser noch Augen, der Schützenbrüder Grenzner, Storf und Schied.
Last but not least die Bewirtung. E. Kübler und seine Mannschaft arbeiteten in drei Schichten. 
Wie eingangs gesagt, es klaffen noch große Lücken in der Erinnerung, Und man möge uns nicht böse sein, wenn wir dieses oder jenes vergessen haben.
Jeder hat seine eigenen Erinnerungen an die vergangenen 36 Jahre. Die Zeit hat Lücken gerissen, nicht nur im Gedächtnis.